Alle zurück auf der Burg

Vor 400 Jahren in der Wertheimer Burgküche
18. bis 25. Dezember
Am 20. Dezember werden zwei Sauen gestochen. Die Kleine hat ein Gewicht von 141 Pfund, die Große 158. Sie ergeben 25 Pfund Schmalz, 12 Paar Bratwürscht, 30 Leber- und Blutwürscht. Am 22. Dezember kommen zwei Schweine von Breuberg, die ebenfalls gemetzelt werden (143 Pfund und 121 Pfund): 19 Pfund Schmalz, acht Paar Bratwürscht mit einem Gewicht von sechs Pfund, 28 Stück Leber- und Blutwürscht. Die Burg hat ausreichend Wurst für Weihnachten.
Am Gesindetisch sitzen zwischen 12 und 15 Personen, ab dem 23. ist auch der Schweinhans wieder dabei.
Fechter und Feuerwerker kommen wieder von Würzburg zurück.
Am 24. 12. werden 1 ½ Pfund Butter verbraucht.
Herrenweinverbrauch an Heiligabend: ½ Maß. Gesindeweinverbrauch Mittag und Abend am 24. zusammen 20 Maß, genau so viel wie an den vorhergehenden Tagen.

In den 1570er Jahren machten die Wertheimer Krunau und Friedel mit einem Kölner Händler ein Geschäft über 57 Fuder Wein – 52.440 Liter. Leider gerieten die beiden Wertheimer über die Finanzierung in Streit. So landete die Sache vor Gericht.

Jacob und die Küchenmagd

Vor 400 Jahren in der Wertheimer Burgküche
11. bis 18. Dezember
Bis zum 15. Dezember ist man noch zu dritt auf der Burg. Am 12. bringt ein Frondienstleistender aus Kredenbach einen Wagen mit Wacholder. Am 14. kommen Fechter und Feuerwerker aus Breuberg, essen 2 ½ Wastel Brot, trinken Wein und ziehen weiter nach Würzburg. Am 16. ist dann das Gesinde wieder komplett: mittags sind Hermann, Koch, Veit, Schneider, Ernst und der Lakai wieder da, abends auch noch der Beck, Herr Jacob und die Küchenmagd – endlich.
11 Personen sitzen am Gesindetisch.
Auch Graf Wolf Ernst kommt am 16. Dezember zurück.
An arme Leute vor dem Tor werden in dieser Woche ein Wastel und ¾ Viertel Brot ausgegeben.
Ausgab Eier: 9.
Ausgab Butter: 1 ½ Pfund.

Wertheimer Wein in Prag und in Wien: Auf Weisung von Carl Thomas gehen zwei Eimer Wein an den Baron von Wrazda, Landrichter im Königreich Böhmen, Prag, und ein Eimer an den Agenten Wagner in Wien.

Wein als Medizin

Vor 400 Jahren in der Wertheimer Burgküche
4. bis 11. Dezember

Die Burg liegt immer noch verwaist. Drei Personen sitzen am Gesindetisch. Kaum Ausgaben, kaum Einnahmen. 64 neue Hundebrote kommen am 9. Dezember. Etwas Rindfleisch. Kein neuer Fisch. Zum Wildbret wird vermerkt: Nichts Sonderliches von dem eingesalzenen Wildbret verspeist.
Am 6. Dezember bekommen zwei Frondienstleistende Brot, die dem Hoffischer helfen, Sachen aus dem kleinen See zu tun.
Ausgab Butter: nichts.
Ausgab Eier: nichts.
Ausgab Hühner: nichts.
Die drei Personen, die noch auf der Burg sind, trinken mittags und zur Nacht je vier Maß Gesindewein.

Wein als Medizin: Fürst Carl Thomas schenkte seinem langjährigen Kammerdiener Matthias Heugel „wegen seinen beständigen kränklichen Umständen“ jährlich „vier Eimer guten, alten, wenigstens 4 bis 5 jährigen Wein“.

Hilfe beim Waschen

Vor 400 Jahren in der Wertheimer Burgküche
27. November bis 4. Dezember

8 ½ Pfund Schweineschmalz kommt von den Säuen, die in der Vorwoche gemetzelt wurden.
Am 27. November sind drei Personen auf der Burg, am 28. sind es vier, weil die Schwester des Bäckers da ist, um beim Waschen zu helfen. Am 30. putzt der Büttner ein Fass aus. Am selben Tag geht der Hundebube mit den Hunden nach Breuberg und bekommt Brot für vier Tage mit. Dann ist man wieder zu dritt. Am 1. Dezember kommt ein Bote aus Wolframsdorf mit zwei Hunden. Am 3. Dezember sind vier Frondienstleistende aus Eichel da. Abends kommt der Plitz zurück und trinkt eine Maß und einen Becher Wein.
Herrenweinverbrauch diese Woche: 0.

Bronnbacher Klosterwein: Als es 1803 mit dem Kloster zu Ende ging, sah es auch mit dem Wein schlecht aus. Zwar verfügte das Kloster noch über enorme 612 Fuder Fasskapazität, aber 120 davon waren gänzlich unbrauchbar und die meisten anderen waren leer. 22 Fuder Wein waren noch vorhanden, überwiegend niedrigklassiger „Speiswein“ aus den Jahren 1801/02.

Drei Personen auf der Burg

Vor 400 Jahren in der Wertheimer Burgküche
20. bis 27. November

Am 24. geht ein Teil des Gesindes nach Breuberg: Plitz, Fechter, Schneider, Lakai, Feuerwerker. Zur Frühsuppe trinken sie 3 ½ Maß Gesindewein und 1 1/2 Maß Kräuterwein, außerdem nehmen sie sechs Maß mit auf das Schiff. Zurück bleiben nur Hans Jacob, Beck und Beckin und die Küchenmagd. Auch an den nächsten Tagen sind nur drei Personen vom Gesinde auf der Burg bzw. am Gesindetisch. Sie trinken bei jeder Mahlzeit vier Maß Wein.

Bronnbacher Klosterwein: Im Jahr 1645 lief der Verkauf ausgezeichnet. „Bayerische Marketender“ kauften damals knapp 16 Eimer (gut 1.200 Liter) und in Frankfurt wurden über fünf Fuder verkauft, 6 ½ Eimer kaufte Herr Schacht in Wertheim, vier Eimer der Apotheker Tillmann aus Wertheim. Dazu kamen Verkäufe kleinerer Mengen an Pfarrer, den Klosterschmied und andere. Das Fuder brachte durchschnittlich 48 Reichstaler ein.

Bratwürscht, Blutwürscht

Vor 400 Jahren in der Wertheimer Burgküche
13. bis 20. November

Am 17. November werden ein kleines (85 Pfund) und ein großes (113 Pfund) Schwein abgestochen, die aus Breuberg gekommen sind. Aus zehn Pfund Fleisch werden 19 Paar Bratwürste gemacht – das Paar wiegt etwa ein halbes Pfund. Außerdem fallen 30 Leber- und Blutwürscht an. Die Metzger, „so den Tag über gemetzelt“, bekommen dafür am 17. Brot.
Der Burgvogt gibt drei Malter Korn an den Advokaten Wolf Heinrich Ruprecht aus.
Am Gesindetisch sitzen zwischen 12 und 14 Personen. Am 16. ist ein Büchsenmacher aus Nürnberg darunter.
Sechs Frondienstleistende aus Eichel machen Kraut ein.
Am 13. sind mittags die beiden Fräulein und die Hofmeisterin zu Besuch. Graf Wolf Ernst ist am 14. und 15. in Steinbach zur Jagd, es geht aber anscheinend kaum Gesinde mit.
Die Hunde bekommen knapp 13 Wastel täglich.

Bronnbacher Klosterwein: Der Satzenberg war der Weinberg des Klosters Bronnbach schlechthin. 1665 heißt es in der Rechnung: „16 Fuder 6 ½ Eimer trüb hat des Klosters eigentümlicher Weinberg Satzenberg genannt dies Jahr ertragen.“ Das war nicht besonders viel, wie eigens angemerkt wird, was aber nichts macht, denn: „hingegen würdt dieser Wein teurer verkauft, als wo es mehr geben hatt.“

Vier Flaschen Martinswein

Vor 400 Jahren in der Wertheimer Burgküche
6. bis 13. November

190 Brote, 100 Brötel und 160 Hundebrote kommen neu in die Burgküche. Außerdem 64 Pfund Rindfleisch, neun Pfund Hammelfleisch und 12 Eier.
Am 10. November verehrt der Stadtrat dem Grafen vier Flaschen mit Martinswein (dieser Eintrag ist allerdings wieder gestrichen).
Am 8. November werden vier Wastel Brot mit dem Essen fürs Gesinde nach Michelrieth geschickt. Am selben Tag nimmt wieder der Schneider aus Italien am Essen teil. Am 9. bekommen sechs Frondienstleistende aus Reicholzheim und Vockenrot Brot, die Kraut auf dem Haidhof ausschneiden. Ein Wagen aus Vockenrot bringt das Kraut nach Wertheim. Vier Wagen aus Reicholzheim bringen Heu und Holz vom Main. Am 11. November hacken Frondienstleistende aus Vockenrot gelbe Rüben aus.
Am 12. November nimmt der Jäger Stoffel am Nachtessen teil. Am Gesindetisch sitzen 14 Personen.
Vom 8. bis 11. November ist Jagd in Michelrieth und Vockenrot. Am 9. sind acht Personen auf der Jagd mit Gesindewein zu versorgen, verzehrt werden täglich acht bis 12 Pfund Rindfleisch.

In der Frühen Neuzeit besichtigte eine Kommission aus Fachleuten die Weinberge, um den Beginn der Lese festzulegen. Den Startschuss gab dann die Regierung. Ohne deren Erlaubnis durfte nicht gelesen werden. 1631 begann die Lese am 2. Oktober.

Weißkraut wird geschnitten

Vor 400 Jahren in der Wertheimer Burgküche
31. Oktober bis 6. November

110 Brote, 60 Brötel und 67 Hundebrote kommen neu in die Burgküche. Außerdem 56 Pfund Rindfleisch, ein 32 Pfund schwerer Hammel, 16 Hühner und ein Hase. Am 1. November wird ein Fass mit Wildbret aufgeschlagen.
Am Gesindetisch sitzen bis zu 15 Personen.
Frondienstleistende hauen Kraut und hacken Rüben. Weißkraut wird ausgegraben und geschnitten.
Arme Leute vor dem Tor bekommen ein Wastel Brot.
Eierverbrauch: 27.
Hühnerverbrauch: 4.
Am 30. Oktober isst Fräulein Catharina Elisabeth, „die Hofmeisterin“, mit. Man trinkt vier Maß Wein. Am 1. November ist abends der Rentmeister da.

Freigebiger Graf: Im Februar 1619 schenkte Graf Wolf Ernst Gauklern und Seiltänzern zwei Gulden und gab auch den im Tanzhaus auftretenden Fechtern Geld.

Abends in der Kemenate

Vor 400 Jahren in der Wertheimer Burgküche
23. bis 30. Oktober

Ein ungewöhnlich dünnes Heft. Für die ersten drei Tage dieser Woche sind jeweils nur sechs Personen als Teilnehmer am Essen notiert, danach wieder 12 Personen. Dafür an allen Tagen hoher Verbrauch an Hundebrot, weil Hunde mit nach Erbach laufen. Vom 27. bis 29. Oktober werden jeden Tag acht Pfund Rindfleisch verzehrt. Am 27. speist Rat Reinhard beim Grafen und man trinkt vier Maß Wein, am 29. isst Graf Wolfgang abends in der Kemenate.
Eierverbrauch: 12.
Am 29. Oktober kommen drei Bauern aus Breuberg und bringen herrschaftliches Gepäck. In dieser Woche werden auch zwei Maß Gesindewein an Pferde ausgegeben, die von Erbach kommen.

1733 waren sechs Büttnermeister damit beschäftigt, die Fässer im Keller der Rentei auf Vordermann zu bringen. Zur Unterstützung bei der Arbeit bekam jeder zwei Maß Wein täglich.